
1. Tag (06/01/17):
Um 13.15 ging der Bus von Napier nach Wairoa. Die kleine „Stadt“ mit 4.200 Einwohnern liegt 190km nördlich von Napier und etwas außerhalb davon werde ich die nächsten schätzungsweise 4 Wochen auf einer Farm in einer Familie verbringen.

Nach meiner Ankunft wurde ich von Theresa Allott, der Mutter abgeholt und wir fuhren in ihre Praxis, weil sie noch bis 17 Uhr arbeiten musste. Theresa ist Tierärztin!

Jedenfalls beschäftigte ich mich ein wenig mit dem Katzenbaby dort und ging mit Hunter, einer Art Dackel spazieren. Danach fuhren wir zu ihr nach Hause, in dem wir eine etwa 5 km lange Schotterstraße in die Hügel hoch fuhren. Etwa so steil wie die Wassergasse, allerdings mitten im Nirgendwo und ewig lang.




Dort angekommen half ich ihr mit der Wäsche, bezog mein Zimmer und lernte bissl später ihre 5-jährige Tochter Sophie und ihren Mann Roger kennen. Die beiden sind sehr nett und ihre kleine Tochter ist zwar quengelig aber trotzdem süß. Nach dem Abendessen schauten wir noch Fern und dann ging ich auch schon um 9 Uhr ins Bett.
2. Tag (07/01/17):
Wenn man auf einer Farm arbeitet, gelten natürlich andere Schlafenszeiten, als gewohnt. Das heißt in Klartext: Um 5.30 aufwachen, um 6 Uhr frühstücken und gegen 7 los arbeiten.

Allerdings hat es ganz gut angefangen, nämlich mit Pferdearbeit! Ich fuhr mit Theresa in die Stadt zu den verstreuten Koppeln und ihren ca 20 Pferden (inkl soo süße Fohlen! *-*)
Ich mistete Koppeln ab (danke an Rini, dass ich das alles schon kann 😉 ), transportierte die Pferde von einer Koppel zu den anderen und zusammen kümmerten wir uns darum, dass es allen gut ging. Um halb 12 waren wir dann noch kurz in der Praxis, die am Wochenende eigentlich geschlossen ist, allerdings ist Theresa eine Art Tierärztin auf Abruf, das heißt, wenn es einen Notfall gibt, dann ist sie immer am Telefon erreichbar. Von halb 1 bis halb 3 waren wir dann daheim zum Mittagessen und ein bisschen Pause machen, bis es ab 2 zum härteren Teil überging. Zusammen mit Roger und Sophie fuhr ich auf die Schafkoppeln in der Umgebung des Hauses und versuchten, den Hinterreifen des gestrandeten Traktors wieder auf die Felge zu bringen.

Trotz 50 Millionen verschiedenen Versuchen, blieb das ganze Unternehmen erfolglos und so fuhren wir um 5 wieder heim, duschten uns alle und fuhren in die Stadt, um alle zusammen Fish&Chips zu essen. Danach besuchten wir noch Freunde der Familie, ein älteres Ehepaar, aßen dort ein wenig Eis mit Früchten und waren schließlich gegen 9 Uhr wieder daheim. Anstrengender Tag!
3. Tag (08/01/17):
Sonntags darf ich länger schlafen – zumindest an diesem schonmal. Gegen halb 9 stand ich auf, frühstückte in Ruhe und wartete dann mit Roger bis ca halb 11, um Theresa und Sophie in der Stadt abzuholen. Danach fuhren wir zu einem schwimmsicheren Strand, etwa 45 min entfernt, und verbrachten da den Großteil des Tages.

Wir besuchten Freunde der Familie, aßen mit ihnen zu Mittag und lagen bis halb 4 am Strand bzw waren im Wasser. Als wir abends wieder heimkamen gab es Abendessen und wir bauten alle zsm das große Zelt auf, weil Sophie mit ihren Eltern diese Nacht darin schlafen wollte.
4. Tag (09/01/17):
Heute hieß es um 5 aufstehen, frühstücken und Schafe eintreiben. Mit dem kleinen Golfauto ähnlichen Geländewagen und den 6 Hirtehunden fuhren wir noch vor Sonnenaufgang auf die Weide, um die Schafe von allen Paddocks in einen zu treiben. Während Roger mit dem Wagen und den 6 sehr gut trainierten Hunden die linke Hälfte machte, lief ich auf der rechten hoch und trieb alle Schafe aus allen Hügelsenken und Baumschatten nach oben, wo sie am Ende alle auf einer Weide sein sollten. Der Sinn davon war, alle beisammen zu haben, wenn sie geschoren wurden, und die Lämmer zu untersuchen. Von 6 bis 10 arbeitete ich mich die extrem steilen Hügel zu Fuß hoch, klatschte in die Hände und rief den Schafen alles mögliche zu, um sie anzutreiben. Nach den 4 Stunden war ich so gut wie tot. Wer das nicht gewohnt ist, hälts eigentlich nicht länger aus und ich war fertig. Wieder zurück im Haus machten wir kurz Pause und machten uns dann gleich wieder auf den Weg zum Traktor, um weiter am Hinterreifen zu arbeiten, diesmal schraubten wir ihn ab, hievten ihn auf den Anhänger, fuhren zurück und bearbeiteten ihn in der Werkstatt neben dem Haus, allerdings wieder ohne Erfolg und einem fast kaputten Carport, weil ein Hinterreifen nunmal sehr schwer ist 😉 . Nach der Mittagspause und Essen fuhren wir los in die Stadt, um ein paar Dinge zu erledigen, unter anderem den Reifen in die Werkstatt zu bringen und ihn dort reparieren zu lassen. Gegen halb 5 machten wir uns auf den Heimweg und aßen noch schnell ein Eis.
5. Tag (10/01/17):
Um 7 Uhr fuhr ich mit Theresa zu den Pferden, mistete die Koppeln ab und danach gings ab in die Praxis für ein paar OPs und die Kunden. Außerdem nahmen wir für ein paar Stunden ne Horde kleiner Golden Retriever Welpen an, die alle über uns hergefallen sind mit ihrer Flauschigkeit *-*
Zwischendrin 2 Eis am Stiel, weil es so unglaublich heiß außen war und gegen 2 kurze Mittagspause. Kurz danach auch schon die nächste Aufregung: Ich bin das erste Mal in Neuseeland Auto gefahren! An sich keine große Sache, allerdings ist dort wie in England Linksverkehr 😀 d.h links fahren, rechts sitzen, links schalten und aus Versehen den Scheibenwischer anmachen, weil mein gerne Blinken möchte. Lief trotzdem alles super und ich denk, ich werd ab sofort ein bisschen öfter Auto fahren dürfen.
6. Tag (11/01/17):
Um 4 Uhr morgens klingelte der Wecker. Ich sprang super gelaunt und total ausgeschlafen aus dem Bett, frühstückte und machte mich energiegeladen mit Roger auf den Weg, die zuvor zusammengetriebenen Schafe die Schotterstraße zum Haus zu treiben. Nagut, nich so ganz ausgeschlafen und nich so ganz energiegeladen 😀 Während der Himmel knallpink wurde und die Sonne langsam hinter den Hügeln hervorkroch, brachten wir die Schafe zurück und gegen 8 Uhr trafen dann 2 ehemalige Nachbarn ein, die im Rentenalter sind und sich ein Haus in der Stadt gekauft hatten. Sie halfen uns mit ihrer Erfahrung die Schafe nach Größen in die Ställe zu sortieren und anschließend eine spezielle Entwurmungskur ins Maul zu spritzen. Nach 5 h anstrengendster Arbeit und sehr braunen Beinen (nicht nur wegen der Sonne leider), setzten wir uns erledigt ins Esszimmer, aßen zu Mittag und ich hatte danach den Rest des Tages frei. Gott sei Dank war damit die komplette harte Arbeit der nächsten Wochen geschafft!

12. Tag (17/01/17):
Zwei sehr coole Dinge sind passiert: ich hab den Vorschlag bekommen, ob ich demnächst nich mal auf einem der Pferde reiten möchte, was ich sie natürlich ungern zweimal fragen lass 😀 uund ich hab heut 1,5 h Sparkles, einer jungen süßen Palomino-Stute (das ist eine Pferderasse und ein weibliches Pferd, für alle, die keinen Plan haben) ans Zaumzeug gewöhnen dürfen – ganz allein ohne Aufsicht! *-* hat total Spaß gemacht und hat alles gut geklappt 😉 die Arbeit war in letzter Zeit auch nimmer so schwierig, weil die großen Dinge alle vorbei sind (zB Schafe tränken), Roger hat beispielsweise im Moment gar nichts für mich zu tun, deswegen bin ich immer mit Theresa in der Praxis und kann da dann auch viel mit Pferden arbeiten!
14. Tag (19/01/17):
Nachdem heute morgen der Hufschmied da war und die Hufe der Stuten auf der Farm mit der Feile bearbeitet hatte, trieb ich die 4 Pferde die Straße hoch weiter in die Hügel und fuhr dann mit Theresa und Sophie in die Praxis. Dort half ich wieder Laura mit den Pferden und ging dann noch Sparkles und Harvey putzen. Ich war den ganzen Tag schon aufgeregt, weil Ali heute für ein paar Tage kommen wollte! *-* Gegen 4 pm wars dann auch endlich soweit, sie stand mit ihrem großen Rucksack und einem kleinen Koffer am Infozentrum von Wairoa, wo wir sie abholten. Hat mich sehr gefreut, dass sie mich für ein paar Tage besuchen kommt, und wir zusammen was machen können, zB steht eine 3 Tages Wanderung um einen nahegelegenen See auf dem Plan, die wir Anfang nächster Woche machen wollen 🙂
Das waren die ersten 2 Wochen auf der abgelegenen Farm in Wairoa, die letzten 2 folgen später.
Liebe Grüße
Tamara