Meine Zeit auf einer Farm Woche 3&4

15. Tag (20/01/17):

Morgens um 7 ging es zusammen mit Ali und Roger in dem blauen kleinen Golf-Kart in die Hügel, Zäune reparieren. Er setzte uns ab, erklärte, was zu tun war, ließ uns Werkzeug da und verschwand wieder, um uns unsere Arbeit machen zu lassen. Nach 5 h viel Musik, 2-3 kurzen Pausen, kleinen Regenschauern und etlichen kleinen Verletzungen wegen Unfähigkeit und blöden Nägeln, wurden wir wieder abgeholt.

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der Neger rechts – das soll ich sein

Wir hatten ca 3 h Pause und fuhren dann in die Stadt. Ich ging mit Ali ein wenig Wairoa anschauen, aßen was zu Mittag und um 15 Uhr fuhren wir dann mit Roger zu einem Festival, das Freitag und Samstag stattfand – die Wairoa A & P Show. Dort gab es unzählige Wettkämpfe unter Ortsansässigen und samstags auch unter allen möglichen Besuchern, zB Bullenreiten, Rodeo, Barrel Race, Schafe scheren, Springreiten und vieles mehr. Das Ganze war unglaublich cool und hat sehr viel Spaß gemacht. Die Teilnehmer (6 – 60 jährig ca) bekamen ziemlich oft einen saftigen Arschtritt von buckelnden Bullen und nachträglich noch einen kräftigen Hieb auf den Rücken zur Aufmunterung, nachdem besagte jüngere Personen vom kleinen Vieh fielen. Wir lachten und staunten, wie mutig die Kinder hier sind und wie beweglich die Senioren ihre Pferde um die Fässer beim Barrel Race trieben.

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Gegen halb 8 machten wir uns dann wieder auf den Heimweg und legten uns müde von einem anstrengenden und ereignisreichen Tag ins Bett.

16. Tag (21/01/17):

Heute war ausschlafen angesagt und nach einem ausführlichen Frühstück mit 3 Alpakas vor unserer Nase begaben wir uns mit Roger wieder nach Wairoa, um ein paar Besorgungen für die anstehende 3-tägige Wanderung am Montag zu machen. Wir kauften Dosenfutter im Überfluss und liefen dann zum Festivalgelände zurück, um dem 2ten Tag beizuwohnen. Nach 2 Packungen Zuckerwatte, sehr vielen gefallenen Kämpfern, bockigen Pferden und etlichen Preisverleihungen war auch dieser Tag wieder schnell vorüber. Wie gestern hatten wir Spaß den Wettbewerben zuzuschauen, auch wenn der Staub dort einem die Sicht schnell wegnehmen konnte, und die Teilnehmer anzufeuern.

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17. Tag (22/01/17):

Dieser Tag war wichtig für uns. Wir mussten uns nämlich mächtig ausruhen vor der 3-tägigen Wanderung, die die nächsten Tage folgen sollte. Also packten wir unsere Sachen und bequemten uns dann aufs Bett, um mit Schoko und Kaffee einen Filmetag zu machen. Allerdings wurden unsere Pläne entsetzlich gemein durchkreuzt, da draußen ein orkanartiger Sturm wütete, der die Stromleitung außer Betrieb setzte und wir somit einen Stromausfall erlitten. Wie soll man denn da Netflix schauen???
Da unsere Handy Akkus bis abends oder vielleicht sogar die nächsten 3 Tage noch halten mussten (falls der Stromausfall länger als bis abends andauerte) und weder Herd noch irgendwas ohne Strom hier läuft, versuchten wir verzweifelt eine Beschäftigung zu finden. Roger, Theresa und Sophie waren auch ausgeflogen und laut Roger konnten wir nur warten, bis der Strom von allein wieder geht, da wir nichts tun könnten. Wir saßen auf dem Bett, zerbrachen uns den Kopf, was wir tun könnten, weil es sterbenslangweilig wurde. Wir sprangen auf dem Trampolin im Garten herum, was wir dann allerdings bleiben ließen, weil wir Kopfschmerzen bekamen, sangen, spielten Gitarre und als wir auch darauf keine Lust mehr hatten, zeichneten wir schließlich alles mögliche ab, was wir im Haus und ums Haus herum finden konnten. Ali zeichnete mich 5 mal während ich mich mit dem Wohnzimmer, einer Cola-Dose, unserem Zimmer und einem Gesicht befasste. Da es allerdings anfing dunkel zu werden und die Aussicht auf Strom immer geringer wurde, beendeten wir unseren Zeichenwettbewerb.

Gegen 6 Uhr abends sprang dann plötzlich endlich der Generator wieder an und wir rannten ins Zimmer, um Handys, Kameras und alles andere zu laden, im Falle eines erneuten Stromausfalls. Ein sehr aufregender Tag für uns. Fazit des Tages: Instant-Nudeln kann man auch mit warmem Leitungswasser essen, es muss nicht unbedingt gekocht sein.

18. Tag – 20. Tag (23/01/17 – 25/01/17):

Heute war der große Tag – wir begannen unsere erste mehrtägige Wanderung.
Als kurzer Überblick: Der Wanderweg beginnt für uns in ONEPOTO, geht hoch zum Panekiri Bluff Hill Lookout (1,2 km Höhe), geht wieder nach unten und sollte dann bis zum Ende flach verlaufen – also gar kein Problem 6 – 7 h am Tag zu laufen (dachten wir jedenfalls), wo wir dann mit dem Wassertaxi zurück nach Onepoto fahren mussten, um den Walk abzuschließen.
Roger fuhr uns morgens um 7 Uhr nach Onepoto zum Start des Great Walks am Lake Waikaremoana.

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Frasertown – Onepoto 

Als wir ausstiegen und unsere Rucksäcke ausluden, wurden wir fast von dem immer noch heftig wehenden Wind weggeblasen. Wie sollten wir da jemals voran kommen :o?!

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los gehts von hier

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Doch in dem Moment, wo wir auf den Weg stießen und im neuseeländischen Busch verschwanden, war kein Wind mehr zu sehen oder zu hören. Wir befanden uns im Urwald Neuseelands, der die ersten 9 km steil anstieg. Nach ein paar Metern schnappten wir nach Luft, weil die Rucksäcke schwerer und der Weg steiler waren als angenommen. Dennoch bissen wir uns tapfer durch und machten immer wieder nach etwa einer Stunde Pause, um was zu trinken und zu Atem zu kommen.

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gleich mal das erste Hindernis – ein umgestürzter Baum

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wir am Pause machen

Mein Hintern schmerzte, meine Beine waren kaum noch bewegungsfähig und mein Rücken tat weh. Genauso ging es auch Ali. Teilweise konnten uns die Aussichten, die wir vereinzelt genießen konnten, ablenken, dennoch war es extrem anstrengend.

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Aussicht
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ich im Wald
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me on top of the world
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young, wild and free!
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ein Baum-Tor
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wird immer nebliger hier
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der Wald
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wo is der See hin 😮
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eine nette Frau hat Bilder von uns gemacht, weil wir anscheinend sehr unbeholfen beim Selfie machen aussahen… danke
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Aussicht

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ganz schön windig hier
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der letzte Aufstieg, Ali kriegt grad noch so ein Grinsen hin
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Panekiri Bluff (Gipfel)

Nach 5 h (13 Uhr) kamen wir endlich an der Hütte auf der Spitze des Berges an (Panekiri Hut) und wir legten eine längere Mittagspause ein, auch um uns aufzuwärmen, weil es draußen sehr zugezogen hatte, teilweise regnete und umso höher wir kamen, um so kälter wurde es auch. Nach einer Stunde liefen wir mit schmerzenden Hüften und Beinen weiter und begannen den Abstieg zu unserem Ziel: Waiopaoa Hut/Campsite. Genauso steil, wie wir hochgelaufen waren, ging es jetzt auch wieder runter, und das Ganze ging unglaublich auf die Knie, was es nicht angenehmer machte.

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Nach weiteren 3 h waren wir endlich endlich auch am Ziel, stellten unser Zelt auf, spannten eine Plane darüber, falls das Zelt dem Regen nicht standhalten sollte und setzten uns in die Hütte, um uns aufzuwärmen, da wir komplett durchgefroren waren. Gegen halb 9 gingen wir ins Zelt, was wir zwischendrin überstürzt unter ein Dach gestellt hatten, da Ali das Fenster offen gelassen hatte und alles nass geworden war.

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unser Lager vor dem Regen
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der See am ersten Tag
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unser Abendessen im Zelt – Dosenfutter
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unser Lager nach dem Regen
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die Hütte am Campingplatz

Die Nacht war unbequem auf dem harten Steinboden und extrem kalt, wodurch keiner von uns, die Augen richtig zu bekam. Morgens aßen wir müde und verfroren unser spärliches Dosen-Frühstück und stellten alles in die Sonne zum Trocknen (auch uns). Der See bescherte uns eine unglaubliche Sicht, der Campingplatz war direkt am Ufer, es lag eine feine Nebelschicht über dem Wasser und der Himmel war strahlend blau.

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Ali am Yoga machen
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alles muss in die Sonne!
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der See am nächsten Morgen

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Um 10 Uhr liefen wir weiter, freuten uns auf den nun kommenden, flachen Teil. Aber von wegen flach! Wir liefen fast noch steilere Hügel hoch und sofort wieder runter, bei 29 Grad und mit müdem und schmerzendem Körper war das fast unmöglich, lang auszuhalten. Wir machten sehr oft Pausen, hatten anfangs auch kaum Wasser, weil die Hütte, bei der wir geschlafen hatten, die einzige ohne Trinkwasser war, liefen und liefen und liefen. Irgendwann kamen wir zu einer Hütte mit Wasser, füllten alles wieder auf und setzten unseren Marsch fort. Wir jammerten und gingen wie mechanisch, ohne auf die Umgebung oder sonst was achten zu können, da alles irgendwie taub schien.

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Um 16 Uhr kamen wir bei der vorletzten Hütte für den Tag an, konnten kaum noch laufen und überlegten unsere Buchung auf diese Hütte zu verschieben, um nicht noch 2 h laufen zu müssen. Allerdings hielt uns der Gedanke davon ab, dass wir dann morgen noch diese 2 h extra laufen und durch die vorgegebene Uhrzeit noch früher aufstehen müssten. Daher schleppten wir uns weiter, wobei der Rest des Weges dann tatsächlich großteils flach war. Wir lenkten uns die 2 h über ab, in dem wir über alles Mögliche und Unmögliche redeten und nicht drauf achteten, wie unsere Körper protestierten. Um 6 pm waren wir dann endlich am Ziel. Tot und müde aßen wir die  Dosen-Bohnen, bauten das Zelt auf und gingen sofort ins Bett, wo wir von 19 Uhr bis 7 Uhr schliefen. Zwischendrin wachten wir kurz auf wegen Tieren außerhalb des Zelts, aber ansonsten war es sehr warm und es störte keinen von uns mehr, wo wir schliefen, hauptsache wir konnten schlafen.

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wir an nem riesen Baum überklettern (hat Stunden gedauert :D)
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endlich am Ende angekommen!

Am letzten Tag galt es dann noch einmal einen allerletzten Hügel zu bewältigen, der allerdings in Ordnung war und es eh nicht mehr schlimmer werden konnte, und um 12 Uhr waren wir dann am Ziel, wo wir bis 2 Uhr auf das Boot warten mussten – also genügend Zeit zum Essen, Ausruhen und Muskeln und Knochen bearbeiten. Zurück in Onepoto, nach einer wilden und nassen Bootsfahrt über den ganzen See, wartete Roger auf uns, um uns wieder mit zurück zu nehmen. Daheim angekommen aßen wir zu Abend und Ali fing an ihr Zeug zu packen. Nach 3 unterschätzt anstrengenden Tagen konnten wir endlich wieder in einem überaus bequemen Bett schlafen und waren satt und zufrieden. Trotz der Strapazen und Schmerzen, fühlten wir uns gut, weil wir diese Herausforderung angenommen hatten und, wenn auch mit Jammern und Meckern, bewältigen konnten.

GREAT WALK

21. Tag (26/01/17):

Heute früh besuchten wir das ältere Ehepaar in Wairoa zum Kaffee und Frühstück und brachten anschließend Ali zum Bus, da sie heute ihren Weg nach Auckland, und damit nach Hause, fortsetzte. Ich half Theresa mit einem Baby-Alpaka, das wirklich viiiel zu süß war und danach brachte sie mich zum Haus, wo ich meine anstehende Australien-Reise planen konnte.

Nach dem Abendessen ging auch dann auch wirklich das erste Mal ausreiten, mit einer braunen Stute, deren Namen ich schon wieder vergessen hab, aber sie ist nach der großen weißen Blesse auf ihrem Kopf benannt 😀 Jedenfalls hab ich sie aufgetrenst und bin los – ohne Sattel (meine Hose is jetzt ziemlich dreckig) und hinter mir ihr Fohlen.

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die Stute
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ich auf dem Pferd
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beim Reiten

Nach 20 Minuten ist sie dann einfach stehen geblieben und ließ sich keinen Zentimeter mehr nach vorne bewegen und da ich nichts hatte um sie anzutreiben außer meine Beine (und die sind ja ziemlich erschöpft) drehte ich um und brachte sie zurück auf ihre Weide.

23. Tag (28/01/17):

Nachdem eines der Pferde eine Therapie bekam, um das einst gebrochene Bein und die dadurch sehr belasteten und verkrampften Muskeln zu entspannen, bekamen auch wir eine kleine Massage. Dabei waren wir im Haus neben der Praxis zum Kaffee und Kuchen und ich konnte dann auch während der Massage ein kleines Nickerchen machen, sehr angenehm 😉

24. Tag (29/01/17):

Eigentlich ist Sonntag unser freier Tag, allerdings mussten die Alpakas geschoren werden. Trotzdem durfte ich bis um 8 schlafen und danach begannen wir mit der Arbeit. Zwischen 20 und 30 Alpakas haben wir scheren können, wobei das eine echt harte Arbeit ist, weil die Viecher unglaublich störrisch und beweglich sind! Roger und Theresa hatten Alan, den Nachbarn als Verstärkung angeheuert und auch einen speziellen Tisch, wo das Alpaka im Stehen mit einem Gurt um den Bauch befestigt wird und der Tisch dann gekippt wird, sodass das Tier seitlich auf dem Tisch liegt. Dann wir die eine Seite geschoren (Rogers Part), während wir 3 dafür sorgen, dass es ruhig liegen bleibt und die Wolle in Tüten gepackt wird. Danach wird das Alpaka, das mit Stricken am Tisch befestigt ist, umgedreht und die andere Seite wird gemacht, bevor es wieder auf den Boden und in den Stall darf. Die Wolle ist sooooo flauschig! :O das kann sich keiner vorstellen, ders ned selbst erlebt hat, wie weich und kuschelig die auf der nicht verfilzten Seite, also unmittelbar über der Haut, ist *-* und auch so sind Alpakas und Schafe uuunglaublich flauschig!!

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sieht seeehr brutal aus, ist es aber eigentlich nicht 😀
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Alpaka vor dem Scheren
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Alpakas nach dem Scheren (sehen eher aus wie nasse Pudel)

Danach gab es einen Kasten Bier für Alan, Roger und mich zur Belohnung und es war ein echt witziger und cooler Abend.

en weiteres witziges Bild von einem Alpaka, das dachte, dass es niemand sieht (es badet im Wassertrog, falls es schlecht zu sehen ist):

Zum Schluss ne Übersicht:

die Familie

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Theresa (Mutter, 41) Sophie (Tochter, 5) Roger (Vater, 51) Ich // im Wohn- und Esszimmer

die Fohlen

die Hunde (Flic, Shark, Bonnie, Evil, Charity, Blondie, Bob, Jess)

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Das Haus

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diese Dinge hab ich hier gelernt bzw gemacht:

  • geritten
  • mit Pferden gearbeitet
  • Koppeln abgemistet
  • Rodeo-Festival angeschaut
  • 3-Tages Wanderung mit Ali
  • Bier mit meinem Gast-Vater und dem Nachbarn getrunken
  • Alpakas und Schafe geschoren
  • bei OPs zugeschaut
  • Babykatzen und Welpen gestreichelt
  • Zäune repariert
  • Schafe die Hügel hochgetrieben
  • manchmal um 4 Uhr morgens aufgestanden
  • das erste Mal mit Linksverkehr Auto gefahren
  • das erste Mal mit Anhänger gefahren
  • Lagerinhalt in der Praxis überarbeitet
  • auf Sophie aufgepasst (anstrengend)
  • viele Leute kennengelernt (Nachbarn, Freunde, Familie der Allotts)
  • einen Traktor repariert mit Roger zusammen
  • den blauen Geländewagen (Goldkart ähnlich) mit Anhänger durch die Hügel gefahren
  • meine Australien Reise geplant (die am 10/02 losgeht!!)
  • sehr viel Spaß gehabt!

PS.

Das Video zur Wasserfallrutsche in Gisborne ist jetzt übrigens im Blogeintrag „Gisborne“ drin, habs heute erst hochladen können. Habe einen Link zu dem freigegebenen Teil meiner Cloud kreiert! Viel Spaß beim Anschauen 🙂

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