Hallo hallo!
Seit Ende 2020 studiere ich den Master in Forensic Science and Engineering in der Stadt Cottbus, nahe der polnischen Grenze unterhalb von Potsdam. Da dieser Studiengang übers Wochenende stattfindet und ich aufgrund dessen weiterhin in meiner Heimat in Bayern lebe, blieb noch keine Zeit, Cottbus zu erkunden, obwohl es auf den ersten Blick wie eine sehr schöne und belebte Stadt wirkt. Dazu kommt wohl noch die Corona-geprägte Zeit der Lockdowns, in denen sowieso nichts offen hat und „Unterwegs sein“ auch kurzweilig verboten bzw. nicht gewünscht war.
Jetzt aber, seit die Lockerungen langsam beginnen, startet auch wieder die Univeristät in Präsenz-Vorlesungen voll durch. Da wir aktuell eine vierwöchige Phase haben, in der jedes Wochenende Veranstaltungen stattfinden, hielt ich es für klüger, mir in Cottbus ein Zimmer zu mieten und meine Zeit hier zu verbringen, als Unmengen an Geld für Hin- und Rückfahrt sowie Unterkunft auszugeben. Das ist meine Chance, doch noch ein Stück dieses Landes zu erkunden und meinen eigenen Eindruck davon zu gestalten.
Heute früh, als ich aufwachte, strahlte mir ein wunderschöner blauer Morgen-Himmel entgegen zusammen mit der Sonne, die die heutige Tagestemperatur auf 30 °C hochjagen möchte. Damit war meine Entscheidung gefallen und ich rief sofort meinen Kommilitonen (Mit-Studenten) an, ob er Lust auf eine meiner Touri-Touren hätte. Auch er war Feuer und Flamme, also machten wir aus, dass es Mittags losgehen soll. Wir mussten beide leider unitechnisch noch produktiv sein… 😉
Ich konnte meine Begeisterung allerdings kaum im Zaum halten, also fing ich ohne Umschweife an, so viele Orte und Aktivitäten, wie nur möglich, in und um Cottbus aufzutreiben und in eine Tour zu packen. Darunter sind ein paar Museen und ein Planetarium, aber auch zwei Badeseen und Parks inklusive Aussichtsturm und Schlössern. Ich fing auch vor lauter Enthusiasmus schon an, diesen Beitrag zu schreiben, bevor überhaupt etwas geschehen konnte, aber meine Freude am Erkunden war wieder hochgekocht und sie lässt sich nicht so leicht verdrängen 😉
Eine weitere Freundin, die hier aus der Umgebung kommt, empfahl mir die Stadt Burg, die nur etwa 20 km nordwestlich von Cottbus liegt. Allerdings wird das vermutlich an einem anderen Tag auf dem Plan stehen, weil allein schon die Cottbus-Tour vermutlich mehr als nur zwei Tage in Anspruch nehmen wird.
Zuvor bekommt ihr ein paar Fakten über Cottbus:
- Universitätsstadt im Süden Brandenburgs
- das Zentrum der Lausitz
- niedersorbisch: Chóśebuz
- sorbisch: Aussterbende Sprache der Lausitz in Sachsen und Brandenburg
- Spreewald westlich
- auf einer Fläche von knapp 165 km2 leben etwa 100.000 Einwohner –> vergleichbar mit Erlangen, wobei Erlangen nur etwa 70 km2 besitzt
- gilt als Hochburg des Rechtsextremismus
Und damit startet das Abenteuer Cottbus!
Touri-Tour Tag 1: 06.07.2021
Ich und mein Kumpel fuhren von meiner Unterkunft aus los zu dem etwa 10 min entfernten „Flugplatzmuseum“. Dort befanden sich auf ca. 40,000 m2 verschiedenste Militärflugzeuge, -helikopter und -wagen, die vor allem nach dem zweiten Weltkrieg von der DDR und UdSSR gebaut und verwendet wurden. Für 5 € (Studentenrabatt) konnte man alles anschauen. Bei 30 °C und blauem Himmel spazierten wir über die Wiesen, auf denen teils riesige Helikopter und Kampfjets in allen Ausführungen standen. Bei vorheriger Anmeldung gab es auch die Möglichkeit, sich in einige der ausgestellten Objekte hineinzusetzen und das Ganze von innen zu untersuchen. Anschließend schauten wir uns die Ausstellung in dem Gebäude an. In mehreren Räumen konnten Einzelteile von Flugzeugen/Helikoptern und Piloten-Ausstattung, sowie der technische Aufbau einzelner Triebwerke und Kanonen sehen. Für alle interessierten Bastler und Technik-Affinen wahrscheinlich ein reines Paradies!
Wir verbrachten dort etwa eine Stunde, bevor wir weiterfuhren. Diesmal zu einem kleinen Badesee, den ich zufällig im Internet entdeckt hatte. Ich parkte das Auto etwa 1 km davor auf einem öffentlichen Parkplatz und wir liefen den Rest zu Fuß zum See. Dort angekommen umrundeten wir das Gewässer etwa zu Hälfte, auf der Suche nach einem schönen Plätzchen. Dabei kreuzten wir auch einen großen FKK-Bereich 😀 Das ist hier im „Osten“ – ich weiß, politisch nicht korrekt – ja Gang und Gebe und tatsächlich macht auch keiner eine große Sache daraus, was alles einfacher macht. Jedenfalls fanden wir dann noch einen größeren Strandbereich, mit weichem, weißem Sand. Hier lagen schon mehrere Personen, aber für einen Nachmittag in den Ferien bei diesem Wetter war erstaunlich wenig los. Sofort machte ich mich auf die Suche nach einem geeigneten Ort zum Umziehen und dann rannte ich auch schon ins klare Wasser. Die Hitze war ja nicht auszuhalten! Wir verbrachten also ein wenig Zeit an dem Strand, wobei ich die meiste Zeit in der Sonne lag und mich bräunte, und beschlossen, diesen See öfters zu besuchen.
Nach einer ausgiebigen Badezeit machten wir uns auf den Rückweg und ich brachte den Wagen zurück zur Unterkunft. Von dort aus liefen wir ins Stadtzentrum in Richtung Spremberger Turm. Hier konnte man für 2 € die 131 Stufen bis zur Spitze erklimmen und hatte von dort aus eine hervorragende Aussicht über Cottbus – und zwar in alle Richtungen! Um den Tag ausklingen zu lassen, setzten wir uns in ein Diner am Altstadtmarkt, an dem es vor Cafès und Restaurants nur so wimmelt. Vor allem im Sommer herrscht hier eine tolle Atmosphäre. Wir aßen jeder einen Burger und tranken Limonade dazu, bevor wir uns ohne Eile auf den Heimweg machten. Der erste Tag von „Ich erkunde Cottbus“ ist hiermit beendet, und es war toll!
Touri-Tour Tag 2: 08.07.2021
Wir machten uns gegen 15 Uhr auf den Weg zu unserem nächsten Ziel: Der Branitzer Park (auch genannt Fürst-Pückler-Park) ist etwa 15 min südlich von Cottbus gelegen und ein echter Hingucker. Er besteht aus einer riesigen und weitläufigen Parkanlage, die größtenteils natürlich und ohne großen Schnickschnack gehalten wird und aus dem Schloss des Fürsten, das von dessen Großvater im – ich glaube – 18. Jahrhundert erbaut wurde. Grundsätzlich sind die Ausmaße des Parks relativ überschaubar, aber durch das verwinkelte Anlegen der Pfade und Wege, die keinen geradlinigen Weg zulassen, kann man doch einige Stunden dort verbringen, ohne zweimal am selben Ort vorbeigehen zu müssen. Das Schloss selbst kann für 5 Euro (Ermäßigung) betreten werden und innen kann man dann die prunkvolle Einrichtung von damals betrachten. Jedes Zimmer ist anders gestaltet und zwar mit den verrücktesten Farbkombinationen, die man sich nur vorstellen kann. Dazu kommt die Garten-Anlage davor mit den schönen Beeten und einem großen Wein-bewachsenen Tunnel mit antiken Statuen. Der Fürst selbst hat über sechs Jahre den Orient bereist und seine Erfahrungen und Erlebnisse in die Gestaltung des Parks und des Schlosses mit einfließen lassen. Die interessantesten Gebilde im Park sind wohl die zwei Pyramiden. Beide bestehen aus Erde und sind komplett mit Wildblumenwiese bewachsen. Die eine steht auf einer Anhöhe, von wo aus man die zweite, größere Pyramide sehen kann. Diese ist mitten in einem Teich und somit komplett von Wasser umgeben. Ohne Boot könnte man sie auch nicht betreten.
Wir liefen – oder irrten? – also ungefähr drei Stunden durch den Park, nachdem wir im zum Schloss gehörigen Café gleich zu Anfangs einen sogenannten Hefeplins und einen Kaffee zu uns genommen hatten. Aktuell werden teils noch Bauarbeiten an Wegen und Anlage vorgenommen, aber im Großen und Ganzen ist das fast unauffällig und nimmt dem Park nicht die Schönheit. Am besten hat mir gefallen, dass die Bäume, Wiesen und Sträucher fast ungehindert wachsen können, ohne einen „Schönheitsschnitt“ zu erhalten. Die Wiesen werden natürlich gemäht, aber trotzdem sind sie kein typischer Englischer Rasen. Was die nächsten Aktivitäten angeht, werden wir wohl kreativ sein müssen – soo viel gibt es in Cottbus dann doch nicht zu sehen, als dass vier Wochen damit füllbar wären.
Es gab zwar danach keine Touri-Tour mehr, aber, unabhängig davon, hab ich trotzdem noch was von Cottbus sehen können. Die Bilder folgen:
Am Wochenende vom 23. – 25. Juli fanden die letzten Uni Veranstaltungen statt. Samstag nutzte ich mit drei Freundinnen für einen Mädels-Tag. Da spontan die Vorlesung diesen Tags ausfiel, fuhren wir gleich morgens los zum Badestrand am Sachsendorfer Badesee. Wir deckten und mit Snacks ein und lagen dann einige Stunden zusammen in der Sonne, spielten Spiele, hörten Musik und genossen es, unter uns zu sein und einen ganzen Tag entspannen zu können. Dadurch, dass wir aus allen Ecken Deutschlands für ein Wochenende anreisen, bleibt nie Zeit für ein schönes Beisammensitzen am Tag und unter der Woche haben wir dazu auch keine Möglichkeit, weil der Großteil arbeitet. Der perfekte Augenblick also, um das komplett auszunutzen.
Nachmittags, als wir alle zerstochen und müde waren, machten wir uns auf den Heimweg. Auf halber Strecke bekamen wir aber Lust auf ein Sonnenuntergangs-Picknick am Ostsee. Ja, richtig gelesen: DER Ostsee. Ich habe mich anfangs totgelacht, aber der Witz „wir würden jetzt zur Ostsee fahren“ wurde zum Glück schnell alt. Also gingen wir einkaufen und fuhren die 10 km zu dem riesenhaften Aussichtsturm an dem See, der erst noch einer werden möchte. Dort breiteten wir unsere Decke aus und aßen unser Abendessen bei untergehender Sonne.
Es war ein ruhiger und abgelegener Ort, an dem zu der Zeit nur einzelne Menschen vorbeikamen, um auf den Turm zu steigen. Von oben hatte man übrigens eine hervorragende Aussicht auf die flache Landschaft (man konnte ja fast bis nach Berlin schauen, davon war ich überzeugt 😉 ) und den bereits vorhandenen See, der in ein paar Jahren zu dem größten Erholungsgebiet Brandenburgs gehören soll. Damit war der Abend allerdings noch nicht zu Ende. 10 km westlich wurde bereits fleißig der weitere Verlauf des Abends geplant, welche Bar und wann. Wir entschieden uns für den Irish Pub, den wir schon letztes Jahr im September ausprobieren wollten, es aus bekannten Gründen aber noch nicht geschafft hatten.
Als wir also fertig waren mit unserem Picknick, machten wir uns auf den Weg zurück zum Gästehaus in Cottbus, erfrischten uns kurz und schon ging es weiter zum nächsten Stopp. Im Irish Pub angekommen, fing auch die Live-Musik an zu spielen. Ich liebe Live-Musik, vor allem Irische, aber nicht, wenn man sich im Gespräch anschreien muss und trotzdem nichts versteht. Kurzerhand trank jeder aus Höflichkeit nur ein Getränk und anschließend verzogen wir uns wieder in den geliebten Käfig. Die schöne, ruhige Bar in der Stadtmauer, mit guten Cocktails und entspannter Atmosphäre. Dort ließen wir den Abend ausklingen.
Am Sonntag folgte ein anstrengender, aber super informativer und cooler Vorlesungs-Tag. Frau Nehse, eine Kriminaltechnikerin aus Berlin kam morgens in Begleitung zweier Kriminaltechniker vom BKA und spannte uns in zwei Workshops ein. Bei ihr wurde ein Dummy von der Feuerwehr mit allem Körperkontakt niedergerungen, mit dem Ziel des gespielten Erwürgens, um im Anschluss die Übertragung von Fasern auf das „Opfer“ zu untersuchen. Die anderen beiden bauten einen fiktiven Tatort auf und verteilten verschiedene Spuren: Speichel, Sperma, Blut und Gegenstände. Unsere Aufgabe war es – in kompletter Spurensicherungsmontur – die Tatortbegehung nachzuspielen. Wir versuchten das alles super seriös und ernsthaft durchzuführen, was bei 30 °C und nicht-atmungsfähiger Überkleidung gar nicht so einfach ist. Es machte total viel Spaß und ich glaube, es war die erste wirklich lehrreiche Veranstaltung im ganzen Master-Studium – am Ende.
Das Wochenende war vorbei und alle fuhren nach Hause. Ich blieb noch bis Freitag, um meine Hausarbeit in Ruhe fertig schreiben zu können. Mittwoch ging ich dann mit einem Kommilitonen in einen Escape Room. Dabei handelt es sich um einen Raum, der abgesperrt wird, sobald wir darin sind. Wir müssen innerhalb einer Stunde Rätsel lösen und Schlösser knacken, um wieder hinauszugelangen. Wenn wir alles geschafft haben, finden wir den Schlüssel zur Tür. Natürlich lassen die Mitarbeiter und nach 1 h auch so raus, aber das ist auch irgendwo sinnvoll ;).
Damit ist meine Zeit in Cottbus abgeschlossen.
Fazit: Die Stadt wirkt auf mich weniger wie eine Nazi-Hochburg. Das kulturelle Angebot und die verschiedenen Ethnien und Nationalitäten, die in Cottbus wohnen, machen es nicht ganz einfach, die kleine Stadt in braun zu sehen. Was aber unter der Oberfläche geschieht, weiß natürlich keiner.
Unabhängig davon hat es mir sehr gut gefallen, aber die meiste Zeit war mir sehr langweilig, was aber auch daran lag, dass ich meine Hausarbeit schreiben musste und ansonsten niemand da war, der mich von meiner Langeweile hätte ablenken können.






















Dann viel Spass beim Erkunden😊
Ich freue mich schon auf die Fortsetzung deines Berichts😍
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Dankeschön! 😀 Bin auch schon gespannt, was es hier so gibt
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